Wir besaßen einen ganz normalen VW-Campingbus, der uns aber für eine lange Reise zu klein war. Eine Weile liebäugelten wir mit anderen, größeren Fahrzeugen, kamen aber schließlich auf den VW- Hochraumkastenwagen zurück. Dieses Modell kauften wir im Sommer 1970 fabrikneu und ohne Inneneinrichtung und dachten, in ein paar Monaten mit dem Selbstausbau fertig zu sein. In Wahrheit arbeitete ich bis kurz vor der Abreise am Auto.

Um die Reise detailliert zu planen, klapperten wir alle Bibliotheken ab und sammelten soviele Informationen wie nur möglich. Das war bei weitem der schönste und attraktivste Teil unserer Vorbereitungen. Mit jedem Buch packte uns die große Vorfreude mehr, zumal wir wußten, daß wir all die schönen Plätze wirklich besuchen würden. Besonders für den ersten Teil der Reise betrieben wir derart intensive Forschungen, daß wir uns einen eigenen Reiseführer schrieben und tatsächlich sehr genaue Vorstellungen entwickeln konnten, welche Länder und Orte wir wie lange besuchen wollten.

Vor allem aus klimatischen Gründen hatten wir die Abfahrt auf den 1. Oktober 1971 festgelegt. Obwohl wir einen ziemlich genauen Zeitplan für die tausenderlei Erledigungen - Kündigungen, Wohnungsauflösung, Impfungen etc. - vorbereitet hatten, blieb uns in den letzten beiden Monaten keine freie Minute; die Probleme überstürzten sich. Besonders das Wohnungsauflösen kostete Zeit und Nerven. Wir wollten nur die wertvollsten und wichtigsten Dinge aufheben und bei Verwandten unterstellen, alles andere sollte verkauft, verschenkt oder auf den Müll geworfen werden. Die Wohnungseinrichtung mit allen Möbeln konnten wir komplett verkaufen. Den Rest, den wir nicht aufheben wollten, mußten wir unter großem Zeitaufwand loswerden, d.h. meist auf den Sperrmüllplatz bringen.

An meinem letzten Arbeitstag am 30. September saß ich vor Erschöpfung wie ein Toter am Schreibtisch. Auch die Abschiedsfeier mit meinen Kollegen konnte mich nicht mehr aufmuntern. Am nächsten Tag, dem geplanten Abfahrtstag, waren wir zu kaum einem Handschlag fähig; obwohl die neuen Mieter bereits vor der Wohnungstür standen. Schließlich verließen wir Deutschland am 4. Oktober 1971 nachmittags - erschöpft und ohne große Empfindungen.

Die Route über Belgrad, Sofia, Istanbul, Ankara nach Teheran kennen wir von früheren Reisen gut. Daher widmen wir die ersten Reisetage nur der Erholung. Einer von uns beiden sitzt am Steuer, der andere liegt hinten im Bett und regeneriert sich. Doch in Ankara bereits melden sich die ersten Reise-Probleme. Andere Touristen erzählen, daß die iranische Grenze geschlossen sei, weil der Shah das 2500- jährige Bestehen des Perser-Reiches feiert. Aber genaue Auskunft kann uns weder die persische noch die deutsche Botschaft geben. Wir fahren ein wenig langsamer, um erst gegen Ende der Jubelfeier an der Grenze anzukommen.

Es ist der 15. Tag der Reise. Wir schlafen in Erzurum, einer zugigen und kalten Stadt im Osten der Türkei. Als wir morgens aus den Schlafsäcken kriechen, ist die Wasserleitung eingefroren. Zum Aufwärmen fahren wir zunächst eine Weile und frühstücken abseits der Straße in der Morgensonne. Bald brechen wir auf und treffen nicht weit entfernt zwei Amerikaner, die um die Erde wandern. Ihr Gepäck transportieren sie mit einem kleinen Pferdewagen, auf den sie geschrieben haben "first walk around the world". Ein gutes Jahr später treffen wir die beiden Wanderer in Afghanistan wieder - einen Tag bevor der eine erschossen und der andere schwer verletzt wird.

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